Dickkopf 3 (DKK3) – neuer prognostischer Marker einer chronischen Nierenschädigung


Mit Bestimmung von DKK3 im Urin kann die tubulointerstitielle Fibrose und Vernarbung bei chronischer Nierenkrankheit (CKD) nichtinvasiv abgeschätzt und im Verlauf beobachtet werden.

DR. MED. ANJA-BRITTA SUNDERMANN

Die CKD ist eine häufige Erkrankung: ca. 11 % der Bevölkerung sind davon betroffen. Ursächliche Risikofaktoren sind hauptsächlich arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus, ferner spielen immunologische oder genetisch bedingte Ursachen, längerfristige Einnahme nephrotoxischer Medikamente oder auch akute Nierenschädigungen, z. B. nach Operationen, eine Rolle.

Etabliert zur Diagnostik einer chronischen Nierenschädigung sind die Bestimmung des Serum-Kreatininwertes mit geschätzter Glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) sowie die Bestimmung des Albumin/ Kreatinin-Quotienten im 2. Morgenurin. Nach Vorgaben der Fachgesellschaft für Nephrologie sollen Patienten mit einer GFR unter 60 ml/min/1,73 m2 (Stadium 3 nach KDIGO-Klassifikation) einer engmaschigeren Kontrolle beim Hausarzt unterliegen. Bei weiteren Symptomen wie Proteinurie oder Hämaturie sollte eine fachärztliche Vorstellung erfolgen.

Viele Patienten verharren lange Zeit stabil in geringeren Krankheitsstadien ohne eine klinische Verschlechterung, zumal sich mit zunehmendem Alter ab ca. 40 Jahren eine Reduktion der GFR um ca. 0,7 ml/min/1,73 m2 pro Jahr einstellt. Ein großes Problem liegt damit in der Unterscheidung dieser Patienten von Patienten mit einer rasch fortschreitenden Nierenerkrankung, da bis zu 50 % der Risikopatienten keine höhergradige Albuminurie entwickeln. Zur Einschätzung einer möglichen raschen Progression kann die Bestimmung von DKK3 im Morgenurin (tiefgefroren) mittels ELISA dienen. Zusätzlich bietet der Marker gegenüber der invasiven Nierenbiopsie ein nichtinvasives Tool zur Bestimmung des Ausmaßes der bestehenden Nierenschädigung.

Dickkopf 3 ist ein profibrotisches Glykoprotein, welches über den Wnt-Signalweg an der tubulointerstitiellen Fibrosierung bei chronischer Nierenerkrankung beteiligt ist. Es wird unter Stressbedingungen von den Tubuluszellen in den Urin freigesetzt und kann so als früher Marker einer Nierenschädigung die eGFR ergänzen. Die Interpretation der DKK3-Ergebnisse sollte immer in Verbindung mit der GFR erfolgen. Eine Studie an der Universität des Saarlandes konnte zeigen, dass Patienten mit Werten unter 200 pg/mg Krea keine wesentliche Verschlechterung der eGFR im Verlauf zeigten. Hingegen war bei Patienten mit Werten über 1000 pg/mg Krea ein mittlerer jährlicher Verlust der eGFR von 2,4 % (p = 0,007) und bei Werten über 4000 pg/mg Krea von 7,6 % (p < 0.001) unabhängig von einer Albuminurie zu verzeichnen.

Die Autoren betonen, dass weitere Studien erforderlich seien, um ein verbessertes Outcome der Patienten durch DKK3-gelenkte therapeutische Optionen zu belegen. Neben allgemeinen Maßnahmen, wie effektive Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Salzrestriktion und Nikotinabstinenz könnte der medikamentöse Einsatz von Inhibitoren des Renin-Angiotensin- Aldosteron-Systems ggf. frühzeitig zum Einsatz kommen.


Literatur: Zewinger S et al. Dickkopf-3 (DKK3) in Urine Identifies Patients with Short-Term Risk of eGFR Loss, JASN November 2018, 29 (11) 2722–2733