Madenwurm-Nachweis im Großraum Berlin 2007–2017


Die Madenwurmerkrankung gehört zu den häufigsten Parasitosen weltweit. Der Erreger (Enterobius vermicularis) kommt nur beim Menschen vor und verursacht vorwiegend harmlose Infektionen, gekennzeichnet durch nächtlichen perianalen Juckreiz. Dennoch ist der Befall stigmatisierend, und Schlafstörungen können zu Konzentrationsmangel führen.

PROF. DR. MED. RALF IGNATIUS

Selten können auch andere Organe von dem Erreger befallen werden. Am häufigsten sind Kinder betroffen, die den Erreger in ihrem sozialen Umfeld leicht weitergeben können. Die Diagnose sollte durch perianale Klebestreifentests erfolgen. Stuhluntersuchungen sind ungeeignet. Die Therapie erfolgt mit Mebendazol, bei Schwangeren und Kleinkindern auch mit Pyrviniumembonat. Wiederholungsbehandlungen sind obligat, um auch nach Abschluss der Behandlung geschlüpfte Würmer zu erfassen.

Resistenzen wurden nicht beschrieben, sodass wiederholte Nachweise von Eiern trotz durchgeführter Therapie entweder auf Rezidive nach unzureichender Therapie oder Re-Infektionen zurückzuführen sind. Da die Erkrankung in Deutschland nicht meldepflichtig ist, ist die Datenlage zur Epidemiologie dieser Erkrankung spärlich. Ziel unserer Untersuchung war daher die Bestimmung der Häufigkeit des Erregers in verschiedenen Altersklassen und in der jahreszeitlichen Verteilung.

Hierzu wurden sämtliche Daten zu im Labor 28 durchgeführten Untersuchungen auf E. vermicularis mittels Klebestreifentest im Zeitraum von Januar 2007 bis November 2017 aus dem Laborinformationssystem extrahiert. Stuhlproben mit dem zufälligen Nachweis von E. vermicularis-Eiern wurden nicht berücksichtigt. Insgesamt 5578 Datensätze (von 3991 verschiedenen Patienten) konnten so analysiert werden. Angehörige wurden über denselben Nachnamen und dieselbe Anschrift definiert.

E. vermicularis konnte in 971 von 5578 Proben (17,4 %) nachgewiesen werden, wobei nur in neun Proben adulte Würmer und in den restlichen 962 Proben die charakteristischen Eier (siehe Abbildung) gesehen prof. dr. med . Ralf Ignatius wurden. Ein positiver Erregernachweis war bei männlichen Patienten häufiger (20,0 %) als bei weiblichen (15,4 %). Die meisten positiven Patienten waren Kinder im Alter zwischen 4–10 Jahren (68,3 %); Familienangehörige, sofern mit untersucht, waren ebenfalls häufig betroffen. Nur für 12,6 % der Patienten waren in der Folge auch weitere Erregernachweise dokumentiert, die auf eine Re-Infektion bzw. nicht ausreichend behandelte Infektion hindeuten könnten. Beim Vergleich der Berliner Bezirke unterschieden sich ehemalige Ost- und Westbezirke nicht. Die Häufigkeit des positiven Nachweises war für die Jahre 2012–2016 (19,3 %) höher als für die Jahre 2007–2011 (12,9 %). Gleichzeitig stieg auch die Anzahl der untersuchten Proben deutlich. Interessanterweise zeigte sich für ≥ 6-Jährige ein häufigerer Nachweis im vierten Quartal, während die Häufigkeit des positiven Ergebnisses für < 6-Jährige über das Jahr vergleichbar war.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir in den Jahren 2007–2017 E. vermicularis nicht selten und bei männlichen Patienten häufiger als bei weiblichen nachweisen konnten. Aufgrund des Risikos einer gleichzeitigen Infektion von weiteren Familienmitgliedern sollte wahrscheinlich in den meisten Fällen ohne weitere Diagnostik die gesamte Familie behandelt werden, wenn der Erreger bei einem Familienmitglied nachgewiesen wurde. Die bislang nicht beschriebene Saisonalität des Erregernachweises mit dem gehäuften Nachweis im 4. Quartal könnte auf die Verdichtung der Risikopopulation (Kleinkinder) im Anschluss an die Sommerferien zurückzuführen sein. Die Ursachen der gestiegenen Häufigkeit der Erkrankung sind unklar, die Daten könnten jedoch auf eine generelle Zunahme der Erkrankung hindeuten.


Gesamte Publikation nachzulesen in: Friesen J et al. Detection of Enterobius vermicularis in greater Berlin, 2007–2017:
Seasonality and increased frequency of detection. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2019;38(4):719–723.