Diagnostik der saisonalen Schimmelpilzallergie


Neben der Pollenallergie ist die Schimmelpilzsporenallergie eine weitere Ursache der saisonalen Inhalationsallergie und zugleich ihre schwierigste Differenzialdiagnose.

DR. MED. ANDREAS WARKENTHIN

Dies erklärt sich durch eine deutliche Überlappung der Schimmelpilzsporenbelastung (Mai–Oktober) mit den Blütezeiten der verschiedenen Pflanzenfamilien (Pollenflugkalender), wenngleich die Sporen-Maximalbelastung im Spätsommer liegt.

Obwohl Schimmelpilzsporen im Bioaerosol bis zu 1000-mal häufiger vorkommen als Pollen, sind die Sensibilisierungsraten deutlich geringer (weniger als 5 % der Bevölkerung). Die Hauptverursacher der saisonalen Schimmelpilzallergie sind Alternaria alternata/ tenuis (Sporenflug Juli–August) und Cladosporium herbarum (Sporenflug Mai–Oktober). Weitere extramurale Schimmelpilze mit Relevanz sind Botrytis cinerea (Juni–Oktober), Fusarium spp. (Juli–September) und Pullularia pullulans (Juli–September).

Die Erscheinungsformen der Schimmelpilzallergie können IgE-vermittelt (Typ I-Sofortreaktion), aber auch IgG-getriggert (Typ III) sein und dann als Exogen Allergische Alveolitis (EAA) imponieren. Weiterhin existieren Mischformen (IgE- und IgG-vermittelt) in Form der ABPM (allergische bronchopulmonale Mykose). Hier zu nennen ist vor allem die ABPA (allergische bronchopulmonale Aspergillose).

Die Differenzialdiagnose zwischen der Pollenallergie (siehe Labor 28 Magazin, Ausgabe 59, März 2019) und der IgE-vermittelten Schimmelpilzallergie gelingt über die Anamnese mit dem Einsatz geeigneter diagnostischer Einzel-Extrakte und ggf. Testung mit molekularen Allergenkomponenten. Während für alle relevanten Pflanzen(sub)familien Markerallergene (meist Majorallergene) verfügbar sind, beschränkt sich die Anzahl verfügbarer Allergenkomponenten bei Schimmelpilzen auf Alt a1 von Alternaria alternata und auf Asp f1, 2, 3, 4 und 6 von Aspergillus fumigatus, der ein Hauptverursacher der perennialen Inhalationsallergie ist.

Alt a1 ist das Majorallergen von Alternaria alternata. Für alle anderen Schimmelpilzspezies sind keine zielführenden Majorallergene verfügbar. Asp f1, 2, 3, 4 und 6 sind keine Majorallergene, jedoch können Asp f2, 4 und 6 kombiniert Hinweise auf ABPA geben und damit bei der Unterscheidung von ABPA und allergischem Asthma helfen.

Die Diagnostik der saisonalen Schimmelpilzallergie Typ I nutzt also vorwiegend IgE-Einzelextrakte und die Anamnese, während die Abgrenzung zur Pollenallergie über den Einsatz pflanzlicher Leitallergene erfolgt.

Die Abgrenzung der Typ I-Schimmelpilzallergie vom Soforttyp zur EAA berücksichtigt die Symptomlatenz der Typ III-Reaktion (4–8 Stunden) und das klinische Bild der EAA (inspiratorische feinblasige Rasselgeräusche, Röntgenbefunde: pulmonale Infiltrate). Zur Typ III-Diagnostik werden diagnostische IgG-Extrakte verwendet. Molekulare Allergenkomponenten für die Testung auf spezifisches IgG existieren bislang nicht.


Literatur
1.) Kleine-Tebbe J, Jakob T: Molekulare Allergiediagnostik, Springer-Verlag 2015
2.) Trautmann A, Kleine-Tebbe J: Allergologie in Klinik und Praxis, Thieme-Verlag, 2. Auflage 2013