Absolute Lymphozytose


Tagtäglich werden an unseren hämatologischen Geräten mehrere tausend kleine und große Blutbilder erstellt. Mit Hilfe laborspezifischer Algorithmen werden unter anderem die Lymphozyten quantitativ und qualitativ ausgewertet und den Laborärzten zur weiteren Beurteilung vorgelegt.

DR. MED. ADRIANNA JAGIELLO

Im folgenden Fall war eine leichte Leukozytose mit absoluter Lymphozytose (9,33 G/l, Referenzbereich: 1,1–4,0 G/l) bei einem 32-jährigen Patienten auffällig. Außerdem wurden im maschinellen Blutbild atypische Lymphozyten nachgewiesen.

Eine absolute Lymphozytose muss immer abgeklärt werden, dies insbesondere bei Erwachsenen. Differenzialdiagnostisch kommt hier sowohl eine reaktive als auch eine neoplastische Genese in Frage. Dem einsendenden Kliniker liegen anamnestische Angaben vor, die uns Laborärzten häufig fehlen, sodass zur Abklärung weitere labordiagnostische Schritte erfolgen müssen.

Bei dem Hinweis „atypische Lymphozyten“ erfolgt in unserem Labor standardmäßig ein manuelles Differenzialblutbild. Hier beurteilen unsere hämatologisch ausgebildeten MTLAs die Morphologie der Lymphozyten mikroskopisch. Im vorliegenden Fall zeigten sich viele aktivierte Lymphozyten (sogenannte Virozyten mit weitem dunkelblauen Zytoplasma und auffälligen Nukleolen), außerdem waren manche Lymphozyten apoptotisch verändert. Insgesamt zeigte sich im Ausstrich ein sogenanntes „buntes Bild“, da die Lymphozyten nicht mono- sondern pleomorph waren. Diese morphologischen Veränderungen geben einen Hinweis auf ein reaktives Geschehen, auch das Alter des Patienten passt gut zu reaktiven Veränderungen im Rahmen einer Infektion.

Ein akutes Geschehen, typische morphologische Veränderung der Lymphozyten, erhöhte Transaminasen und das Patientenalter legten den Verdacht auf eine virale Infektion nahe, sodass eine EBV-Serologie erfolgte. Eine infektiöse Mononukleose (Primärinfektion) konnte sich hierdurch bestätigen lassen.