West Nil Fieber: RKI rechnet mit weiterer Ausbreitung des Virus in Deutschland

 

Das West-Nil-Virus (WNV) wird vor allem von Stechmücken der Gattung Culex übertragen. Diese sind in Deutschland sowohl im ländlichen Bereich als auch in den Städten weit verbreitet. Hauptwirte des WNV sind Vögel, Menschen und Pferde können jedoch ebenfalls infiziert werden und erkranken. Etwa 20 % der infizierten Menschen entwickeln Symptome wie Fieber, ggf. mit Exanthem, und nur weniger als 1 %, vor allem ältere oder immungeschwächte Patienten, eine Meningoenzephalitis, die allerdings mit einer hohen Letalität (ca. 10 %) einhergeht. In den vergangenen Jahren hat sich das WNV weltweit ausgebreitet. Aufgrund des Vorkommens des Erregers in Nachbarstaaten und der potentiellen Vektoren in Deutschland sowie auch des Klimawandels mit vermehrt langen Wärmeperioden im Sommer war die Ausbreitung des WNV nach Deutschland nur eine Frage der Zeit.

 

Im aktuellen Epidemiologischen Bulletin stellt das Robert Koch-Institut die derzeitigen Erkenntnisse hinsichtlich der Ausbreitung des Erregers in Deutschland zusammen1. Danach wurden 2018 erstmals WNV-positive Vögel und Pferde in Deutschland registriert, nachdem zuvor bereits in einigen Vögeln Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden konnten. Für August/September 2018/2019 wurden insgesamt 6 autochthone, also mutmaßlich in Deutschland erworbene Infektionen (2018: 1 Fall, 2019: 5 Fälle) beim Menschen gemeldet. Die Infektion in 2018 wurde durch einen toten Vogel übertragen, die Infektionen im Folgejahr wahrscheinlich durch Stechmücken. Auch wenn diese Zahlen sehr gering sind, legt die Anzahl von 3 neuroinvasiven Infektionen im Jahr 2019 gemäß den Erkenntnissen über das klinische Spektrum der Erkrankung (s.o.) nahe, dass unbemerkt ca. 300 nicht neuroinvasive Infektionen, davon ca. 60 mit Symptomen, abgelaufen sind. Analog müssten im letzten Jahr parallel zu einem nicht neuroinvasiven Fall in Berlin ca. 20 asymptomatische Infektionen abgelaufen sein. Die Daten legen nahe, dass das Virus in Deutschland überwintern kann und sich hier, wie zuvor in Nachbarländern, in Zukunft weiter ausbreiten wird.

 

Empfehlungen für die Praxis:

Bei unklarem Fieber (mit oder ohne Exanthem) und/oder unklarer Meningoenzephalitis sollte vor allem im Sommer und Spätsommer an eine WNV-Infektion gedacht werden!

Zum Ausschluss der Infektion ist Serum das geeignete Untersuchungsmaterial. Nachweise, die auf eine akute Infektion hindeuten, sind meldepflichtig.

Risikopatienten sollten sich vor allem im Sommer und Spätsommer vor Mückenstichen schützen!

 

 

Literatur:

1. Frank C et al. Autochthone Infektionen mit dem West-Nil-Virus in Deutschland 2018 und 2019. Epid Bull 2020;25:3-10.