Die Sesamallergie

 

Sesam (Sesamum indicum) gehört zu den Ölpflanzen, die heute weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut werden. Neben therapeutischen Anwendungen (z. B. Sesamöl in Salben) ist es Bestandteil vieler Nahrungsmittel.

DR. MED. ANDREAS WARKENTHIN

Durch den hohen Anteil an potenziell allergenen, thermo- und säurestabilen Speicherproteinen mit dem Risiko schwerer systemischer Reaktionen, muss Sesam auch bei verarbeiteten Nahrungsmitteln bei geringsten Mengen in der Zutatenliste genannt werden („verstecktes Allergen“ z. B. in Mehl oder Backwaren).

Aufgrund möglicher Kreuzreaktionen sind bei ca. der Hälfte der Sesamallergiker auch Allergien auf Nüsse nachweisbar. Kreuzreaktionen der Speicherproteine sind auch zu anderen Samen und Leguminosen möglich (z. B. Senf, Rizinus, Soja). Die Prävalenz der Sesamallergie in Europa beträgt gemäß aktueller Studienlage zwar nur 0,2 Prozent der Bevölkerung, ihre Relevanz liegt aber vor allem in der möglichen Schwere der Symptomatik.

Bei positivem Extrakttest und/oder klinischem Verdacht bietet die Komponentendiagnostik mit dem jetzt verfügbaren Speicherprotein Ses i 1 (2S Albumin) eine sensitive (Sensitivität 86 %) und spezifische Möglichkeit (Spezifität 85,7 % ), eine primäre Sesamallergie zu erkennen. Ses i 1 ist ein Majorallergen, auf das bei mehr als 55 % der Sesamallergien eine Sensibilisierung nachgewiesen werden kann.

Ein positiver Extrakttest bei fehlendem Ses i 1-Sensibilisierungsnachweis kann außer durch eine primäre Sesamallergie auch durch eine kreuzreaktiv-bedingte sekundäre Nahrungsmittelallergie hervorgerufen werden. Hier könnte die Diagnostik gestützt auf Extrakte gegen Nüsse, Samen oder Leguminosen mit möglicher Kreuzreaktivität hilfreich sein.


Literatur

  1. Thermo Fisher Scientific, 2021: Verbesserte Diagnose einer Sesamallergie mit Ses i 1
  2. Allergologie in Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, 2018, Nahrungsmittelallergene, S. 312