Urinteststreifen: Präanalytik und Fehlerquellen


Die Urinuntersuchung mit Urinteststreifen ist ein einfaches, auch außerhalb des Labors durchführbares Testverfahren, welches den qualitativen und semiquantitativen Nachweis einer Veränderung der Urinzusammensetzung ermöglicht. Sie wird mittels eines Teststreifens aus Kunststoff, auf dem verschiedene Reagenzzonen aufgebracht sind, durchgeführt.

MAHMOUD DBASE

Die Testergebnisse geben Hinweise auf den Status des Kohlenhydratstoffwechsels, über die Nieren- und Leberfunktion, das Säure-Basen-Gleichgewicht und das eventuelle Vorhandensein einer Bakteriurie.

Präanalytik

Um eine gute Qualität der Harnanalyse zu gewährleisten und unnötige Fehlerquellen zu minimieren, ist eine korrekte Präanalytik nötig. Bei der Gewinnung des Urins sollten daher folgende Punkte genau befolgt werden:

  • Der Patient sollte vorzugsweise direkt in der Arztpraxis Urin lassen, damit nicht zu viel Zeit bis zur Untersuchung verstreicht (Durchführung binnen zwei Stunden).
  • Die Untersuchung sollte mit Mittelstrahlurin durchgeführt werden.
  • Der Patient sollte über die richtige Art der Probengewinnung aufgeklärt werden: Reinigen des Urogenitaltraktes zur Vermeidung von Kontamination durch Bakterien oder Vaginalsekret, Gewinnung des Mittelstrahlurins, keine Urintestung während oder kurz nach der Menstruation, um eine Kontamination des Urins mit Blut zu vermeiden.
  • Der Urin soll in einem trockenen und sauberen Gefäß aufgefangen werden. Sämtliche Spuren von Desinfektionsmitteln oder Antiseptika müssen entfernt sein, um den Urin nicht zu kontaminieren. Es wird daher empfohlen, Einmalbehälter zu verwenden.
  • Außerdem muss darauf geachtet werden, dass das Probengefäß vor der Gewinnung sorgfältig beschriftet wird, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Aufbewahrung der Urinproben

  • Der Urin soll nicht der direkten Sonneneinstrahlung (Wärme) ausgesetzt und wenn möglich innerhalb der folgenden Stunde analysiert werden.
  • Bei Wärme vermehren sich die Bakterien sehr schnell, wodurch der pH-Wert durch Freisetzung von Ammoniak infolge verstärkten Harnstoffabbaus ansteigt. Dadurch wird die Lyse der Zellen beschleunigt, was dazu führt, dass keine bzw. weniger Zellen im Sediment als mittels Teststreifen gefunden werden. Ferner verändern sich auch die Mengen der anderen Bestandteile: z. B. Zunahme von Nitrit durch den verstärkten Abbau von Nitrat durch vermehrtes Auftreten der Bakterien, Abnahme von Albumin durch mikrobiellen Abbau bzw. Zersetzung von Bilirubin durch Sonneneinwirkung.
  • Auch das Harnsediment sollte so schnell wie möglich untersucht werden, da Leukozyten und Erythrozyten schnell lysieren und somit im Sediment nicht mehr erkannt werden können.
  • Der Zusatz von Konservierungsstoffen kann die Testreaktionen durch eine Konkurrenzreaktion mit den aufgebrachten Reagenzien beeinflussen bzw. verfälschen.

Der Urin ist ein wichtiges Gesundheitsbarometer bei zahlreichen Krankheiten, vor allem bei Harnwegsinfektionen (HWI), Nierenerkrankungen und Diabetes. Die Urinanalyse kann ernste Erkrankungen aufdecken, die in Frühstadien, in denen sie noch gut behandelbar sind, ohne erkennbare Symptome verlaufen können. Um dieses Ziel zu erfüllen, muss man wissen, dass sich zuverlässige analytische Ergebnisse nur mit Urinproben erzielen lassen, die sachgemäß gewonnen und analysiert wurden.

Fehlerquellen

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