CXCL13-Bestimmung im Liquor – Biomarker bei früher Neuroborreliose

 

Die frühe Neuroborreliose ist nach dem Erythema migrans die zweithäufigste Manifestation einer Borrelieninfektion (Erythema migrans 95,4 %, frühe Neuroborreliose 3,3 % der Fälle). Sie führt meist zu einer Meningoradikulitis (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom).

DR. MED. ANTJE-BEATE MOLZ

Die radikulären, oft nächtlich verstärkten Schmerzen treten im Schnitt 4–6 (1–18) Wochen nach dem Zeckenstich bzw. dem Erythema migrans auf und werden nicht selten von neurologischen Ausfällen wie Paresen und Sensibilitätsstörungen begleitet. Hirnnervenausfälle finden sich bei ca. 60 % der Patienten mit akuter Neuroborreliose.

Die Labordiagnose erfolgt durch parallele Untersuchung von Liquor und Serum. Eine alleinige Serumuntersuchung ist bei Verdacht auf Neuroborreliose nicht ausreichend und kann initial sogar noch unauffällig sein. Typische Liquorbefunde sind:

  • Lymphozytäre Pleozytose mit reaktiven B-Lymphozyten
  • Erhöhung des Gesamteiweißes und des Albumins im Liquor (Schrankenstörung)
  • Intrathekale Immunglobulinsynthese: IgM findet sich bei früher Manifestation in über 80 % der Fälle, IgG in ca. 60 %. Intrathekales IgA findet sich seltener und eher bei später Neuroborreliose
  • Nachweis einer borrelienspezifischen intrathekalen Antikörpersynthese (erhöhter Antikörperindex [AI])

Eine akute Neuroborreliose gilt als gesichert, wenn neben den typischen Symptomen eine lymphozytäre Pleozytose zusammen mit einem erhöhten borrelienspezifischen Antikörper-Index gefunden wird. Bei früh eingeleiteter Diagnostik kann es jedoch vorkommen, dass noch keine Antikörper nachweisbar sind. Zudem gibt es auch sehr selten Fälle mit initial noch unauffälliger Liquor-Zellzahl. Auch bleibt ein erhöhter Antikörperindex oft über Jahre bestehen und beweist alleine noch keine akute Neuroborreliose.

Das Chemokin CXCL13 ist hier als ergänzender Biomarker sehr hilfreich. Es wird von Monozyten sezerniert, sobald diese mit Oberflächenproteinen von Borrelia burgdorferi interagieren, und lockt B-Lymphozyten an. Nach Reifung zu Plasmazellen setzen diese borrelienspezifische Antikörper frei mit der Konsequenz eines erhöhten AI. Das heißt, erhöhte CXCL13-Konzentrationen sind im Liquor schon vor der Pleozytose und der intrathekalen Antikörpersynthese detektierbar. Die Sensitivität liegt bei 100 % im Vergleich zu 89 % bei Vorliegen einer Pleozytose mit erhöhtem Borrelien-AI. Der negative prädiktive Wert beträgt 100 %, d. h. eine nicht erhöhte CXCL13-Konzentration schließt eine Neuroborreliose aus!

Erhöhte CXCL13-Konzentrationen im Liquor werden auch bei anderen ZNS-Erkrankungen gefunden (Neurolues, ZNS-Lymphome, tuberkulöse Meningitis, HIV-Meningitis, Kryptokokkenmeningitis), hier meist in nicht so hoher Konzentration. Diese Erkrankungen sind jedoch sehr selten und gehören nicht zu den typischen Differenzialdiagnosen einer Neuroborreliose. Die Spezifität von CXCL13 liegt daher bei 99 %. Zudem kann CXCL13 zur Verlaufskontrolle nach Therapie verwendet werden, da die Konzentration unter suffizienter Antibiotikatherapie rasch abfällt (im Gegensatz zum AI). Das bedeutet aber auch, dass die Sensitivität bei antibiotisch vorbehandelten Patienten deutlich abnimmt! CXCL13-Bestimmungen aus dem peripheren Blut sind nicht sinnvoll.

Fazit: Die Bestimmung von CXCL13 im Liquor unbehandelter Patienten mit V. a. akute Neuroborreliose ist ratsam

  • bei typischer Klinik aber fehlender Pleozytose und/oder unauffälligem Antikörperindex
  • bei atypischen Symptomen aber erhöhtem Antikörperindex (DD „Liquornarbe“ bei Zustand nach Neuroborreliose)
  • zum sicheren Ausschluss einer Neuroborreliose
  • zur Therapieverlaufsbeurteilung

Es muss bedacht werden, dass CXCL13 auch bei anderen ZNS-Erkrankungen nachweisbar sein kann.

 


Literatur

  1. Rauer S, Kastenbauer S et al. Neuroborreliose. S3-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien
  2. Rupprecht TA, Lechner C, Tumani H, Fingerle V. CXCL13 als Biomarker der akuten Neuroborreliose. Überprüfung des prädiktiven Wertes in der klinischen Routine. Nervenarzt 2014, 85:459–464