Die COVID-19-Pandemie: Ein Marathonlauf, den wir gemeinsam meistern können 

 

In unserer letzten Ausgabe haben wir ein erstes Zwischenfazit zur Entwicklung der SARS-CoV-2-Pandemie und deren Auswirkungen gezogen. Es lautete: „Die in der Intensität und den allgemeinen sowie in unserer Arbeitswelt spürbaren Auswirkungen nicht vorhersehbare und einschätzbare SARS-CoV-2-Epidemie zeigt uns, dass wir mit auf Vertrauen und eigenem Zutrauen ausgerichteter Zusammenarbeit und Fokussierung auf das Wesentliche die Herausforderungen gut meistern können. Dabei hat sich herausgestellt, dass die menschlichen Faktoren, eine positive Einstellung, eine auf die Stärken jeder Person ausgerichtete Strategie unter Bewahrung von Humor und Freude an der täglichen Arbeit wichtig sind. Wir sind auch dankbar dafür, dass wir für unsere Arbeit und unser Engagement so außerordentlich viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren haben. Auch das hilft, weiterhin alle Kräfte für die anstehende Zeit zu mobilisieren und für eine gute Versorgung zu bündeln.“

DR. MED MICHAEL MÜLLER

Bild1Sechs Monate später, mitten in der sich mit deutlich steigenden Infektionszahlen wieder sehr dynamisch entwickelnden Pandemie, zunächst in den Ballungsräumen, wie auch hier in Berlin, und dann sich rasch flächendeckend ausbreitend, erscheint das Fazit noch ebenso aktuell wie wichtig. Es wird immer deutlicher, dass die Eindämmung der Pandemie einer gemeinsamen und nachhaltigen Kraftanstrengung von uns allen bedarf. Wir sind sowohl als Individuen wie als Gemeinschaft gefragt, ob als Bürgerin oder Bürger oder als Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Wir spüren im Labor die Auswirkungen der seit Monaten andauernden kontinuierlichen Belastung auf Höchstniveau. Mittlerweile wurden im Labor 28 fast 200.000 SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen und ca. 15.000 Antikörperbestimmungen durchgeführt. Die jetzt wieder deutlich steigende Zahl an Neuinfektionen hatte sich schon seit einigen Wochen in der zunehmenden Positivrate bei den PCR-Tests abgezeichnet. Das gesamte Team im Labor 28 und insbesondere die Kolleginnen und Kollegen in der Molekularbiologie stehen seit März vor der großen und eher noch wachsenden Herausforderung, alle PCR-Befunde immer so rasch wie möglich zu erstellen und neben den tausenden SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen auch noch die allgemeine Routine im Labor zu bewältigen.

Die stetig steigende Zahl an SARS-CoV-2-PCR-Anforderungen, der Aufbau und die Installation der für die Bewältigung dieser enormen Probenzahl notwendigen neuen Gerätesysteme und auch die Einarbeitung der neu hinzugekommenen Kolleginnen und Kollegen war und ist eine große Aufgabe, der sich alle mit uneingeschränkt hoher Motivation stellen. Auch in den anderen Bereichen, wie dem Probeneingang mit der Probenverteilung und der Datenerfassung, besteht seit Beginn der COVID-19-Pandemie eine marathonartige Dauerbelastung. Mit der Einstellung weiterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden die Teams verstärkt, um dem stetig steigenden Bedarf Rechnung zu tragen.

All diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, dass wir seit dem Ende der Sommerferien mit den überwiesenen PCR-Anforderungen stets oberhalb der täglich verfügbaren Kapazität an SARS-CoV-2-PCR-Anforderungen lagen – bei steigender Tendenz. Mit vereinten Kräften und enormen täglichen Anstrengungen, auch an Sonn- und Feiertagen, war es dennoch möglich, die Untersuchungszeit vom Probeneingang bis zur Befundübermittlung im idealen Zeitfenster von 24 Stunden zu halten. Seit Ende Oktober ist dies nicht mehr möglich, da entgegen der Bitte um die Fokussierung der Testungen auf die Nationale Teststrategie des BMG (Bundesministerium für Gesundheit) und Beachtung der dort empfohlenen Priorisierung bei Engpässen die Anforderungszahlen weiterhin stiegen.

Anfang November hat das RKI (Robert Koch-Institut) die Kriterien für die SARS-CoV-2-Diagnostik nochmals angepasst und auf die jetzt beginnende Erkältungs- und Grippesaison abgestimmt. Damit trägt das RKI einerseits der bundesweiten Überlastung der fachärztlichen Labore durch eine zu große Zahl auch anlassloser PCR-Untersuchungen Rechnung und berücksichtigt andererseits, dass es bei mehreren Millionen Erkrankten pro Woche nicht möglich wäre, allen Patienten mit Erkältungskrankheiten eine PCR-Untersuchung zur Verfügung zu stellen. Die SARS-CoV-2-Antigentests sind hier, bei aller Vorsicht und Einschränkung wegen der im Vergleich zur PCR doch geringeren Sensitivität, für bestimmte Fragestellungen eine wichtige Entlastung. Wir arbeiten intensiv an deren Einführung.

SARS-CoV-2-Testungen sind ein wichtiges Mittel zur besseren Einschätzung und Eindämmung der COVID-19-Pandemie. Das RKI weist darauf hin, dass es nicht möglich ist, alle COVID-19-Erkrankungen in Deutschland durch Testungen zu bestätigen. Mit Bedacht und unter Berücksichtigung der Nationalen Teststrategie sowie der aktualisierten Testkriterien des RKI, helfen SARS-CoV-2-Tests, schwere Verläufe ebenso wie Ausbrüche zu verhindern und die Erkrankungsfälle mit Kontakt zu vulnerablen Gruppen möglichst früh zu identifizieren, um die Verbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen.

Zur Umsetzung, auch in der Kommunikation mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern, sind große gemeinsame Kraftanstrengungen zu bewältigen. Wie bisher werden wir hierzu unseren Beitrag leisten und alles uns Mögliche und Leistbare unternehmen. Wir werden außerdem nicht müde, neben der höchstmöglichen Reduzierung von Kontakten im privaten und beruflichen Umfeld, auch immer und immer wieder für die Einhaltung der wichtigsten täglichen Empfehlungen zu werben: Abstand halten, Hygieneempfehlungen befolgen, Alltagsmasken tragen, Warn-App nutzen und Ergebnisse mitteilen sowie verstärktes Lüften in Innenräumen.