Fallbeschreibungen: Schwangerschaftsscreening auf Toxoplasma-gondii-Antikörper 

 

Eine kürzlich erschienene Studie zu Toxoplasma gondii geht davon aus, dass jährlich 1,3 % der Frauen in Deutschland serokonvertieren, d.h., sich mit T. gondii infizieren und spezifische Antikörper entwickeln. Die Autoren leiten davon ab, dass es pro Jahr zu 6.393 Serokonversionen während der Schwangerschaft kommt, d. h. in ca. 1 % aller Schwangerschaften.1

Dr. med. Antje-Beate Molz, Dr. med. Johannes Friesen

Bei einer in der Schwangerschaft stattfindenden Erstinfektion mit T. gondii nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf den Feten mit der Dauer der Schwangerschaft zu (1. Trimester ca. 15 %, 3. Trimester ca. 60 %), während die Schwere der durch den Parasiten hervorgerufenen Krankheitssymptome abnimmt. Wird der Erreger im ersten Trimenon auf das Ungeborene übertragen, ist meist ein Abort die Folge. Im 2. Trimenon kann es zum Auftreten schwerer Missbildungen kommen, während bei einer späteren Übertragung am häufigsten eine Retinochorioiditis auftritt.2 In Deutschland ist Hochrechnungen zufolge mit über 1.200 kongenital infizierten Kindern zu rechnen.3

Trotz der hohen Anzahl von Serokonversionen in der Schwangerschaft und entsprechender Empfehlungen2 sowie der Möglichkeit einer spezifischen Therapie ist das T. gondii Antikörper-Screening nicht Teil der Mutterschaftsrichtlinien.Wird ein Screening in der Schwangerschaft durchgeführt, wird empfohlen2, IgG- und IgM-Antikörper gleichzeitig zu bestimmen, da bei einer Infektion IgM-Antikörper bis zu 14 Tagen vor den IgG-Antikörpern nachweisbar sein können. Vermutlich um den schwangeren Kassenpatientinnen Kosten zu ersparen, werden jedoch oft nur T. gondii IgG-Antikörper untersucht.

In unserem Labor werden die Reste von Serumproben Schwangerer tiefgefroren, sodass zur Aufklärung von Infektionszeitpunkten diese Rückstellproben im Nachhinein untersucht werden können. Im Folgenden werden zwei Fälle einer Toxoplasmose während der Schwangerschaft aus dem letzten Jahr beschrieben, die aufgrund isolierter Toxoplasma-IgG-Testung erst mehrere Monate nach erfolgter Infektion bemerkt wurden und somit erst verzögert behandelt werden konnten.

Fall einer nicht erkannten Toxoplasmose in der Frühschwangerschaft

Toxoplasma-IgG-Antikörper wurden in der 7. SSW untersucht und waren negativ. Erst in der 29. SSW wurden die Toxoplasma-IgG-Antikörper erneut kontrolliert und ergaben jetzt ein deutlich positives Ergebnis entsprechend einer Serokonversion. Die IgM-Antikörper waren ebenfalls positiv und die Avidität (Reife) der IgG-Ak niedrig. Somit war davon auszugehen, dass es in der Zwischenzeit zu einer Erstinfektion gekommen war. Um den Infektionszeitpunkt besser eingrenzen zu können, wurde die Rückstellprobe aus der 7. SSW erneut auf IgG- und auch auf IgM-Antikörper untersucht. Es wurden deutlich positive IgM-Ak nachgewiesen bei Bestätigung der zu diesem Zeitpunkt negativen IgG-Ak.

Somit muss von einer akuten Toxoplasmose in der Frühschwangerschaft ausgegangen werden. Obwohl die Transmissionsrate in dieser Schwangerschaftsphase nur gering und dann meist ein Abort die Folge ist, wurde eine Therapie empfohlen. Diese konnte nur verspätet durchgeführt werden. Der Ultraschall war im vorliegenden Fall unauffällig und es kam termingerecht zur Geburt eines gesunden Kindes, sodass vermutlich keine Übertragung auf das Kind stattgefunden hat.

Fall einer nicht erkannten Toxoplasmose im 2. Trimenon

Toxoplasma-IgG-Ak wurden isoliert in der 10. und 22. SSW untersucht und waren jeweils negativ. In der 32. SSW wurden dann Toxoplasmose-IgG nachweisbar im Sinne einer Serokonversion, IgM-Ak waren ebenfalls positiv bei erwartungsgemäß niedriger Avidität der IgG-Ak. Zusammen mit dem ergänzend durchgeführten Immunoblot musste von einer Infektion innerhalb der letzten 3 Monaten ausgegangen werden. In der Rückstellprobe aus der 22. SSW konnten Toxoplasmose-IgM-Ak nachgewiesen werden, so dass bei zu diesem Zeitpunkt noch negativen IgG-Ak eine frische Toxoplasma-Infektion diagnostiziert wurde. Die Therapie konnte somit nur verspätet eingeleitet werden. Der weitere Verlauf der Schwangerschaft ist uns nicht bekannt.

Diese Fälle verdeutlichen, dass bei initial seronegativen Schwangeren eine gleichzeitige Untersuchung von Toxoplasmose-IgG- und IgM-Ak im weiteren Verlauf der Schwangerschaft sinnvoll ist, um ggf. eine frühzeitige Therapie von Mutter und Kind zu ermöglichen.


Literatur

  1. Wilking H, Thamm M, Stark K, Aebischer T, Seeber F. Prevalence, incidence estimations, and risk factors of Toxoplasma gondii infection in Germany: a representative, cross-sectional, serological study. Sci Rep. 2016 Mar 3;6:22551.
  2. RKI-Ratgeber für Ärzte Toxoplasmose, https://www.rki.de/
  3. Pleyer U., Groß U., Schlüter D., Wilking H., Seeber F.: Toxoplasmose in Deutschlan– Epidemiologie, Diagnostik, Risikofaktoren und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 435-44