Dermatomykosen: Schneller und sensitiver Erregernachweis mittels Multiplex-PCR

 

Dermatomykosen sind Pilzinfektionen der Haut und der Hautanhangsgebilde wie Nägel und Haare. Die Infektionen werden meist durch Dermatophyten verursacht, jedoch spielen auch opportunistische Sprosspilze (Hefen) und Schimmelpilze („DHS-System“) v. a. bei Abwehrschwäche oder Superinfektionen bei vorgeschädigtem Gewebe eine Rolle. Dermatophyten-Infektionen der Haut werden meist als Tinea (z. B. Tinea pedis, Tinea capitis oder Tinea corporis), Nagelinfektionen durch Dermatophyten und/oder Hefen bzw. Schimmelpilze als Onychomykose bezeichnet.

PROF. DR. MED. RALF IGNATIUS

Zu den humanpathogenen Dermatophyten zählen vor allem die Gattungen Trichophyton, Epidermophyton, Microsporum und Nannizia, wobei sich die Taxonomie in den letzten Jahren aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen immer wieder leicht geändert hat1. Die meisten Dermatophyten-Infektionen werden durch anthropophile Spezies der Gattung Trichophyton verursacht; T. rubrum wird weltweit am häufigsten nachgewiesen. Infektionen durch zoophile, also bei Tieren (vor allem Haustieren) vorkommende Erreger (z. B. Trichophyton verrucosum oder Microsporum canis) können mit erheblichen Entzündungsreaktionen einhergehen.

Die konventionelle mykologische Labordiagnostik bei Patienten mit V. a. Dermatomykosen beruht auf der lichtmikroskopischen Beurteilung von KaOH-Präparaten hinsichtlich des Vorliegens von Hyphen, welche allerdings keine Differenzierung der Pilze erlaubt, sowie dem Versuch der kulturellen Anzucht. Wesentlicher Nachteil des Kulturnachweises von Dermatophyten ist die sehr langsame Wachstumszeit der Pilze, so dass Endbefunde oft erst vier Wochen nach Probeneingang erstellt werden können. Außerdem sind die nicht seltenen Mischinfektionen von Dermatophyten und Hefen oder Schimmelpilzen bei unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten der beteiligten Erreger kulturell manchmal schwer zu erfassen.

Moderne PCR-Verfahren erlauben den Nachweis erregerspezifischer DNA oder RNA, ggf. sogar von mehreren Erregern in einem Ansatz (sog. Multiplex-PCRs). Studien haben gezeigt, dass Multiplex-PCRs deutlich sensitiver als die Kultur hinsichtlich des Nachweises von Dermatophyten sind, was vor allem bei Mischinfektionen und anbehandelten Patienten bedeutsam ist. Außerdem verkürzen sie die Zeit bis zur Diagnosestellung erheblich (auf Stunden bis wenige Tage). Wir haben jetzt im Labor 28 einen Multiplex-PCR Assay etabliert, der 23 Dermatophyten und 6 Hefen/Schimmelpilze sicher erkennt (siehe Tabelle).

Zusätzlich werden in dem neu etablierten Assay mittels „universeller Dermatophyten-Sonden“ auch Trichophyton soudanense sowie 26 geophile Dermatophyten der Gattungen Nannizia, Lophophyton, Arthroderma, Paraphyton und Ctenomyces detektiert. Leider ist die Untersuchung momentan noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, das heißt, sie kann zunächst nur für Privatpatienten bzw. als IGeL-Leistung angefordert werden.

Probengewinnung

 

Für die Probengewinnung (2) sollten nur sterile Instrumente (Skalpell, Epilationspinzette, scharfer Löffel, Schere etc.) sowie sterile Transportgefäße verwendet werden.

Bei V. a. eine Mykose der Haut werden verdächtige Krankheitsherde mit einem Tupfer desinfiziert und Auflagerungen sowie lose anhaftende Hautschuppen entfernt. Anschließend werden mit einem Skalpell oder scharfem Löffel vom Rand des Herdes möglichst viele (20–30) Schüppchen abgelöst.

Bei V. a. Nagelmykose wird der Nagel desinfiziert und evtl. leicht ablösbare oder bröckelige Teile entfernt. Anschließend wird geeignetes Material mit einem Skalpell oder scharfen Löffel aus den befallenen Arealen der Nagelplatte (Rand der Läsion) – ggf. unter Einbeziehung der tieferen Nagelpartien nahe dem Nagelbett und von den subungealen Hyperkeratosen – abgelöst. Mit der Schere abgeschnittene Nagelteile sind meist nicht geeignet! Bei weißer, oberflächlicher Onychomykose wird das Material durch Abkratzen oder Fräsen der weißen Flecken gewonnen.

Bei V. a. eine Mykose der Haare werden evtl. vorhandene Krusten oder grobe Schuppen entfernt und ggf. die Entnahmestelle mit 70 %igem Ethanol gereinigt. Anschließend werden einige Haarstümpfe mit Haarwurzel, bevorzugt von auffälligen Haaren (grau oder entfärbt, glanzlos oder weißlich, abgebrochen), mit einer Epilationspinzette entnommen. Bei auf Kopfhautniveau abgebrochenen Haaren werden ggf. die Haarstümpfe mit einem Skalpell oder scharfem Löffel „ausgegraben“. Bei Favus sollten die Scutula (Borken mit Hyphen und ggf. Konidien) eingesandt werden.

 

Tabelle: Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze, die in der Multiplex-PCR erkannt werden

 

 


Literatur

1.) De Hoog GS et al. Toward a novel multilocus phylogenetic taxonomy for the dermatophytes. Mycopathologia 2017; 182:5-31.
2.) Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik. Pilzinfektionen Teil I. Präanalytik, Analytik; 2001.