Membranöse Glomerulonephritis 

 

Die membranöse Glomerulonephritis (MGN) ist mit 30 % die häufigste Ursache eines nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen in Europa. Der Altersgipfel der MGN liegt bei 50 bis 55 Jahren und das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt 2:1. Klinisches Leitsymptom der MGN sind Ödeme, die in 50 % der Fälle von einer Hypertonie und einer Mikrohämaturie begleitet werden.

DR. MED. ANTJE HOHMANN DA SILVA

Der klinische Verlauf der Erkrankung ist sehr variabel. Bei etwa 25 % der Patienten kommt es zu einer Spontanremission mit guter klinischer Prognose und Erhalt der Nierenfunktion. Patienten mit sehr großer Proteinurie zum Zeitpunkt der Diagnosestellung (ca. 20 %) erleiden indessen im weiteren Verlauf einen progressiven Funktionsverlust der Nieren trotz intensiver immunsuppressiver Therapie. Liegt initial eine normale Nierenfunktion und eine nur moderate Proteinurie vor, ist der weitere klinische Verlauf nur sehr schwer vorhersehbar. 

 

Klassifikation der MGN – Einteilung entsprechend der Pathogenese  

 

Die aktuelle Klassifikation der MGN berücksichtigt die „primäre (autoimmune)“ und die „sekundäre“ Form. Die primäre MGN ist eine Autoimmunerkrankung, verursacht durch Bindung von Antikörpern an Proteine auf glomerulären Podozyten. Die sekundäre MGN tritt in Begleitung von anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem Systemischen Lupus erythematodes (SLE), Hepatitiden oder malignen Tumoren auf (siehe Abbildung). 

Der entscheidende Durchbruch für das bessere Verständnis der Pathogenese der MGN gelang in den vergangenen Jahren mit der Charakterisierung zweier wichtiger endogener podozytärer Antigene (Phospholipase-A2-Rezeptor [PLA2R] und Thrombospondin Type 1 Domain-Containing 7A [THSD7A]), die bei etwa 85 % der Patienten für die Krankheitsentstehung verantwortlich sind. Der sensitive und spezifische Nachweis von AK gegen die Zielantigene PLA2R und THSD7A im Serum ist im Labor 28 als indirekter Immunfluoreszenztest (IFT) etabliert. 

Die klinische Bedeutung der PLA2R- und THSD7A-Antikörper ist vielfältig. Sie dienen als nichtinvasive Parameter zur Differenzialdiagnose der MGN. Bei Entstehung einer primären MGN zeigt sich innerhalb weniger Wochen bis Monate eine sehr gute Korrelation zwischen dem AK-Nachweis im Blut und einer entsprechenden gesteigerten glomerulären Antigen-Färbung in der Nierenbiopsie.  

Neben der sicheren Diagnose ermöglicht der weitere Antikörper-Verlauf eine individuelle Steuerung der Therapie und dient als Prädiktor für das Therapieansprechen und die Prognose hinsichtlich der Entwicklung der Nierenfunktion. Bei Patienten mit hohen AK-Spiegeln zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist eine längere und intensivere Immunsuppression erforderlich. Etwa drei bis sechs Monate nach Rückgang der AK-Spiegel ist eine Remission der Proteinurie zu erwarten. Das Ausmaß der histologischen Veränderungen korreliert hingegen weder mit dem Schweregrad der Erkrankung noch mit dem Ansprechen auf Immunsuppression. 

Da bei THSD7A-AK-positiver MGN zu etwa 20 % maligne Tumore beobachtet werden, ist ein kausaler pathogenetischer Zusammenhang möglich. Beim Nachweis von THSD7A-AK sollte daher intensiv nach Tumoren gesucht werden. 


Literatur

1.) Stahl RAK, Hoxha E. Membranöse Glomerulonephritis. Ein Beispiel für individualisierte Medizin in der Nephrologie. Internist 2019;6:440-449
2.)  Keri KC, Blumenthal S, Kulkarni V et al. Primary membranous nephropathy: comprehensive review.Postgrad Med J 2019;95:23–31.
3.) Xian et al. Expression of THSD7A in neoplasm tissues and its relationship with proteinuria. BMC Nephrology 2019; 20:332