Biomarker für Alkoholkonsum 

 

Marker zum Nachweis einer Alkoholaufnahme oder eines schädlichen Alkoholgebrauchs bieten die Möglichkeit, Patienten- beziehungsweise Probandenangaben zum Alkoholkonsum zu objektivieren.

DR. MED. LARS TEMPLIN

Sie können in direkte und indirekte Marker eingeteilt werden. Direkte Marker entstehen, wenn Ethanol metabolisiert wird oder mit körpereigenen Substanzen reagiert. Indirekte Marker sind Enzyme beziehungsweise Zellen, die sich durch akuten oder chronischen Alkoholkonsum in typischer Weise verändern. 

Laboruntersuchungen können zwar den Verdacht auf einen bestehenden Alkoholmissbrauch erheben, müssen aber immer in Kombination mit der Anamnese, klinischen Untersuchungen und der direkten Evaluation in Einklang gebracht werden. 

Eine akute Alkoholisierung kann anhand der Blut- oder Atem-Alkoholkonzentration bestimmt werden. Im Urin ist Ethanol 10–12 Stunden nach Trinkende nicht mehr nachweisbar. Die Ethanolkonzentration im Blut oder Urin kann dementsprechend keine Auskunft darüber geben, ob es sich um einen Gelegenheitstrinker oder um einen chronischen Alkoholmissbrauch handelt. Ein weiteres ethanolspezifisches Stoffwechselprodukt ist Ethylglucuronid, das durch Konjugation von Ethanol mit Glucuronsäure entsteht und im Urin ausgeschieden wird. Da es dosisabhängig im Serum bis zu 2 Tage und im Urin bis zu 3–5 Tage nachweisbar ist, wird es als mittelfristiger Marker für zurückliegenden Alkoholkonsum eingesetzt, wenn der direkte Ethanolnachweis nicht mehr möglich ist.

Als klassische Biomarker gelten Gamma-GT (GGT) und das mittlere korpuskuläre Erythrozytenvolumen (MCV). Das MCV korreliert mit der Häufigkeit des Trinkens und der getrunkenen Alkoholmenge. Es müssen aber für mindestens einen Monat täglich 60 g Alkohol getrunken werden, bevor es zu einer Makrozytose kommt. Der Nachteil des MCV-Werts ist sei- ne niedrige diagnostische Sensitivität von 40–50 %, aber die diagnostische Spezifität ist hoch. Ein normaler MCV-Wert schließt zu 80–90 % den chronischen Alkoholmissbrauch aus. Ursächlich für den MCV-Anstieg ist unter anderem eine alkoholbedingte Hemmung der intestinalen Folsäureaufnahme, die zu einer Makrozytose führen kann. Der Anstieg der GGT schwankt interindividuell erheblich in Abhängigkeit von der Menge des getrunkenen Alkohols und der Dauer des Trinkens. Viele Medikamente und Lebererkrankungen verursachen ebenfalls eine Erhöhung der GGT, welche in einer geringen diagnostischen Spezifität der GGT mündet. Die Sensitivität ist unter dreißig Jahren sowie bei Männern höher. 1912 Pic 04

Ein weiterer biologischer Indikator für einen Alkoholkonsum steht mit dem Carbohydrate Deficient Transferrin (CDT) zur Verfügung. Das Transferrin ist im unterschiedlichen Ausmaß mit Kohlenhydratanteilen, die Sialinsäure enthalten, verknüpft. Der chronische Missbrauch von etwa 60 g Ethanol pro Tag führt zu einem Verlust von Kohlenhydratketten mit Sialinsäuren, wobei der Anteil an „kohlenhydrat-defizienten“ Glykoformen gegenüber dem Gehalt im Serum des Gesunden zunimmt. Der „Analyt“ CDT wurde in jüngster Zeit neu definiert und bezieht sich allein auf das Disialotransferrin. Ein pathologischer CDT-Wert wird nach etwa zwei Wochen chronischen Alkoholmissbrauchs erreicht. Die Halbwertszeit des CDT nach Abstinenz ist vom Ausgangswert abhängig und beträgt etwa 5–10 Tage, teilweise bis zu 14 Tage. Das Ausmaß des CDT-Anstiegs schwankt abhängig von verschiedenen Faktoren wie z. B. Alter, Trinkverhalten, Körpergewicht und Geschlecht. 

Die diagnostischen Sensitivitäten und Spezifitäten von CDT unterscheiden sich wesentlich in Patientenkollektiven mit geringer Prävalenz und mit hoher Prävalenz. So werden in Kollektiven mit geringer Prävalenz unter Umständen ≥ 50 % der Alkoholiker nicht erkannt, das heißt, zum Screening des Alkoholkonsums ist CDT genauso wenig geeignet wie GGT. Selbst bei hoher Prävalenz werden mit CDT durchschnittlich 30 % der Alkoholiker übersehen. Die Spezifität von CDT für Alkoholiker oder Hochrisikotrinker liegt in Kollektiven mit hoher Prävalenz im Mittel zwar über 85 %, das bedeutet aber, dass unter Umständen 15 % der Nichtalkoholiker oder mehr mit einem falsch positiven Ergebnis belastet werden. Falsch hohe CDT-Werte werden unter anderem bei chronisch aktiver Hepatitis, genetischen Transferrin-Varianten und dem CDG-Syndrom (Congenital Disorder of Glycosylation) beobachtet. 

Die Ergebnisse der Alkoholmarker sollten daher nie isoliert, sondern immer im Kontext aller relevanten Faktoren wie dem klinischen Bild, der Anamnese und dem psychischen sowie physischen Gesundheitszustand betrachtet werden.