Trichomonas vaginalis:  Jetzt auch mittels PCR nachweisbar

 

Trichomonas vaginalis ist ein einzelliger Parasit mit fünf Geißeln, der sich durch longitudinale Zweiteilung vermehrt und nur beim Menschen vorkommt. Mit T. vaginalis eng verwandte Erreger werden bei Vögeln gefunden. T. vaginalis ist weltweit einer der häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragenen Infektionserreger. Die WHO geht für 2015 von ca. 141 Millionen Fällen aus. 

PROF. DR. MED. RALF IGNATIUS

Der Erreger kann Entzündungsreaktionen im Urogenitaltrakt von Frauen und Männern hervorrufen, wobei die gleichzeitige Anwesenheit von Mykoplasmen aber auch endogenen T. vaginalis-Viren die 1912 Pic 03Inflammation synergistisch beeinflussen können. Laktobazillen haben dagegen einen protektiven Effekt, Lactobacillus pentosus verstärkt jedoch die Adhäsion der Parasiten an das Epithel. Außerdem interferieren von T. vaginalis sezernierte immunmodulierende Substanzen mit der zellulären Immunabwehr.

Während klinisch bei Frauen Vaginitis, Zervizitis und Urethritis am häufigsten gesehen werden, verursacht der Erreger bei Männern typischerweise eine Urethritis. Seltenere Komplikationen umfassen Frühgeburtlichkeit, Endometritis und Infektionen des oberen Genitaltrakts (pelvic inflammatory disease, PID) bei der Frau, Epididymitis und Prostatitis beim Mann sowie Infertilität bei beiden Geschlechtern. Bei Frauen verlaufen jedoch ca. 20–40 %, bei Männern sogar bis zu 90 % der Infektionen asymptomatisch. Die Infektion ist außerdem mit einem erhöhten HIV-Risiko assoziiert.
Therapie der Wahl bei einer Infektion mit T. vaginalis ist nach wie vor Metronidazol (in der Regel als einmalige orale Gabe von 2 g, ggf. zusätzlich topische Anwendung) oder das über eine internationale Apotheke beziehbare Tinidazol. Bei Resistenz bzw. einem Rezidiv kommen ebenfalls beide Medikamente, ggf. in höherer Dosierung und/oder über mehrere Tage gegeben, zum Einsatz.

Traditionell wird T. vaginalis mikroskopisch nachgewiesen, wobei der Präanalytik dabei eine besondere Bedeutung zukommt. Tatsächlich wird hierfür ganz frischer, noch körperwarmer Urin bzw. Vaginalsekret benötigt, da die Erreger schnell absterben und dann schwer von anderen Zellen zu unterscheiden sind. Dennoch besitzt diese Diagnostik bei Frauen nur eine Sensitivität von 44–68 % und wird für männliche Patienten gar nicht empfohlen.

Etwas sensitiver als die Mikroskopie ist die Erregeranzucht in Spezialnährmedien, deren Produktion jedoch von vielen Herstellern eingestellt wurde. Diagnostik der Wahl ist daher seit einigen Jahren die PCR. Sie besitzt abhängig vom Testsystem eine sehr hohe Sensitivität (95–100 %) und Spezifität (95–100 %), kann daher auch bei männlichen Patienten eingesetzt werden und ist, da nur Erreger-DNA nachgewiesen wird, unproblematisch hinsichtlich der Präanalytik einschließlich des Probenversands. 

Bei Patientinnen sind Abstriche und Urinuntersuchungen gleichermaßen sensitiv, während eine Studie darauf hindeutet, dass beim Mann die Untersuchung von Abstrichen etwas sensitiver ist als Urinuntersuchungen. Leider ist der Erregernachweis mittels PCR jedoch noch keine Kassenleistung. Wir haben sie dennoch parallel zur gerade eingeführten PCR zum Nachweis der nicht kultivierbaren Mycoplasma genitalium bei uns etabliert, so dass wir jetzt zusammen mit Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis vier der wichtigsten Vaginitis-/Zervizitis- bzw. Urethritiserreger (die natürlich auch einzeln anforderbar sind) mittels einer PCRUntersuchung nachweisen können. Positive Nachweisergebnisse sollten bei allen dieser nicht meldepflichtigen Erreger eine Behandlung des Patienten einschließlich Partner/n nach sich ziehen. 


Literatur

1.) Hirt RP & Sherrard J. Trichomonas vaginalis origins, molecular pathobiology and clinical considerations. Curr Opin Infect Dis 2015;28:72-9. 
2.) Hobbs MM & Seña AC. Modern diagnosis of Trichomonas vaginalis infection. Sex Transm Infect. 2013;89:434-9.