Die Neudefinition  des „I“ in der  Resistenztestung

 

Das „European Commitee on Antimicrobial Susceptibility Testing“ (EUCAST)  hat die Kategorie „I“ in der Resistenztestung von Antibiotika neu definiert. „S“ bedeutet weiterhin „sensibel bei Standarddosierung“, das „I“ erhält die neue Bedeutung „sensibel  bei erhöhter (increased) Exposition“. Die Neudefinition gilt vorerst noch nicht für Pilze.  Die Bezeichnung „R“ bleibt mit seiner Bedeutung „resistent“ erhalten.

DR. MED. ANITA DURST

1912 Pic 01Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass ein mit „I“ gekennzeichnetes Antibiotikum bei erhöhter Exposition ebenso für die Therapie eingesetzt werden kann, wie ein mit „S“ gekennzeichnetes Antibiotikum. Eine erhöhte Exposition kann erreicht werden durch eine höhere Dosierung, eine optimierte Darreichungsform bei bestimmten Antibiotika (z. B. prolongierte Infusionsdauer/verkürztes Dosierungsintervall bei ß-Laktam-Antibiotika) und durch verstärkte Anreicherung am Infektionsort (z. B. Harnwege). 

Auf der Homepage des „Nationalen AntibiotikaSensitivitäts-Komitee“ (NAK) sind die den Antibiogrammen zugrundeliegenden aktuellen Dosierungsschemata (Standarddosis und hohe Dosis) definiert und abrufbar (www.nak-deutschland.org). Die Dosisangaben sind Mindestangaben für Erwachsene ohne therapiemodifizierende Faktoren. Die Therapieschemata und Dosierungsangaben in den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften bleiben weiterhin gültig. 

Da für bestimmte Erreger- und Antibiotika-Kombinationen schon immer höhere Dosierungsempfehlungen gültig waren, ist für die entsprechenden Antibiotika zukünftig nur noch eine Einteilung in „I“ oder „R“ vorgesehen.

Die Neudefinition des „I“ zieht auch Konsequenzen für die MRGN-Klassifikation nach sich. Für die Einteilung der multiresistenten gram-negativen Stäbchen (MRGN) wird „I“ zu „S“ gezählt und nicht mehr wie bisher zum resistenten Anteil. Die Neudefinition des „I“ wird sich also auch auf Resistenzstatistiken und MRGN-Raten auswirken. Bei Nachweis einer Carbapenemase erfolgt aufgrund der hohen Hygienerele- vanz weiterhin grundsätzlich eine Einteilung als 4MRGN.

Im Labor 28 wird die Neudefinition des „I“ ab Januar 2020 in den Antibiogrammen umgesetzt. In unserem Newsletter vom Oktober 2019 finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema. 

Das Ziel des EUCAST ist es, das „I“ eindeutig zu definieren und dazu anzuregen, mit „I“ gemessene Antibiotika bei gegebener Indikation einzusetzen, um Reserveantibiotika einzusparen.


Literatur

1.) The European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing.  Breakpoint tables for interpretation of MICs and zone diameters. Version 9.0, 2019. http://www.eucast.org
2.)  http://www.nak-deutschland.org/dosierungstabelle.html 
3.)  KRINKO: Ergänzung der Empfehlung der KRINKO „Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedelung mit multiresistenten gram-negativen Stäbchen“ (2012) im Zusammenhang mit der von EUCAST neudefinierten Kategorie „I“ bei der Antibiotika- Resistenzbestimmung: Konsequenzen für die Definition von MRGN. Epid Bull 2019;9:82-83 DOI 10.25646/5916 
4.)  Robert-Koch Institut: EUCAST-Neudefinition der Kategorie „I“– zum Umgang hinsichtlich der Meldepflicht.  Epid Bull 2019;9:84 DOI 10.25646/5917